Weg mit den Schulden – Diakonie RWL fordert Rechtsanspruch auf kostenfreie Schuldnerberatung

Knapp sieben Millionen Menschen in Deutschland sind überschuldet. Trotz guter Wirtschaftslage und niedriger Arbeitslosigkeit steigt ihre Zahl seit vier Jahren stetig an. „Wir brauchen mehr qualifizierte und kostenfreie Beratung, damit Menschen aus ihren Schulden herausfinden“, sagt Christian Heine-Göttelmann, Vorstand des Diakonischen Werkes Rheinland-Westfalen-Lippe (Diakonie RWL). Aus Anlass der Aktionswoche Schuldnerberatung, die am 4. Juni startet, fordert er daher einen gesetzlichen Rechtsanspruch auf Schuldnerberatung.

„Ein geordnetes Verfahren zur Schuldenregulierung begrenzt den Schaden für Schuldner und Gläubiger“, erläutert Heine-Göttelmann. Es profitierten aber auch Wirtschaft und Gesellschaft, weil die Gefahren sozialer, gesundheitlicher und wirtschaftlicher Folgekosten nachhaltig gemildert würden. Wissenschaftliche Studien belegen, dass Überschuldung Stress und psychischen Druck auslöst, der seelisch und körperlich krank macht. „Stabilisierte Schuldnerinnen und Schuldner haben bessere Berufsaussichten, so dass Sozialausgaben sinken und dafür höhere Steuern und Sozialabgaben fließen.“

Kostenfreie Beratung gibt es derzeit nur für rund 15 Prozent der knapp sieben Millionen überschuldeten Menschen in Deutschland. Bundesweit bieten rund 1.400 soziale Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen Unterstützung für jährlich knapp 700.000 Menschen an. Unter dem Dach der Diakonie RWL arbeiten zwischen Bielefeld und Saarbrücken rund 80 Schuldnerberatungsstellen, die im vergangenen Jahr über 53.000 Menschen beraten haben.

„Der Bedarf ist deutlich höher, so dass wir lange Wartelisten führen“, erklärt Maike Cohrs, Schuldnerberaterin bei der Diakonie Köln. In der Regel braucht die erfahrene Sozialarbeiterin sechs bis sieben Termine, um in ein Schuldenchaos wieder Ordnung zu bringen. Das zeigt: Schnelle und wirksame Hilfe ist möglich.

Damit mehr Menschen davon profitieren, müssten die sozialen Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen ausgebaut werden. Die Diakonie RWL sieht hier vor allem die Bundesländer in der Pflicht. In NRW etwa sind die Fördermittel von derzeit 5,5 Millionen Euro auf 6,2 Millionen Euro erhöht worden. Dies ist jedoch erst die zweite Erhöhung seit 1999 und entspricht noch nicht dem Bedarf an Beratung. „Von der Landesregierung erwarten wir eine Steigerung der Mittel auf mindestens 8,5 Millionen Euro pro Jahr“, so Heine-Göttelmann.

Hintergrund:

Die bundesweite Aktionswoche Schuldnerberatung wird von der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände (AG SBV) veranstaltet und steht unter dem Motto „Weg mit den Schulden“. Sie findet vom 4. bis 8. Juni statt. Die soziale Schuldnerberatung steht vor allem überschuldeten Menschen offen, die arbeitslos gemeldet sind, Hartz IV beziehen oder bei denen eine besondere Hilfebedürftigkeit, etwa durch eine Behinderung, festgestellt wurde. Mit der Forderung nach einem Rechtsanspruch möchten die Verbände den offenen und kostenfreien Zugang für alle überschuldeten Bürgerinnen und Bürger sicherstellen.

Das Portrait einer Schuldnerin, die mit Hilfe der Diakonie Köln aus ihrer Überschuldung herausgefunden hat, finden Sie hier: https://www.diakonie-rwl.de/themen/soziale-hilfen/aktionswoche-schuldnerberatung-2018

Diakonie RWL

Das Diakonische Werk Rheinland-Westfalen-Lippe e.V. ist der größte diakonische Landesverband und einer der größten Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege. Es erstreckt sich über Nordrhein-Westfalen, Teile von Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Hessen. Die Diakonie RWL repräsentiert 4.900 evangelische Sozialeinrichtungen, in denen 330.000 Mitarbeitende hauptamtlich oder ehrenamtlich tätig sind.
Die NEUE ARBEIT ist Mitglied im Diakonischen Werk Rheinland-Westfalen-Lippe e.V.

 

 

 

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