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Das Kompetenzzentrum für Flüchtlinge - ein Erfolgskonzept

Seitdem das Kompetenzzentrum für Flüchtlinge (ZefF) im Mai des vergangenen Jahres eröffnet wurde, haben insgesamt 162 (Stand 26.02.2018) Teilnehmer*innen das Zentrum besucht. Die meisten Teilnehmer*innen stammen aus Syrien, dem Irak oder Iran. Dabei ist der Anteil an Männern deutlich höher. Das Altersspektrum reicht von 25 Jahren bis knapp 60 Jahren.

Die Teilnehmer*innen werden durch eine professionelle individuelle sozialpädagogische Begleitung und Beratung, durch intensive Sprachförderung, durch den Einsatz von interkulturellen Themen sowie bei einer beruflichen Orientierung unterstützt und gefördert. Themen wie der deutsche Arbeitsmarkt, das Sozialversicherungssystem, das Bewerbungsverfahren, oder die Gesundheitsförderung werden in Theorie und Training besprochen und bearbeitet. Zusätzlich zu den individuellen Einzelberatungen werden alltagsrelevante Informationsveranstaltungen zu Themen wie Energiesparen, Heizen, Stromkosten und Handyverträge u.a. von der Verbraucherzentrale und dem Energiesparservice ebenso wie das Thema „Zuverdienst“ initiiert und angeboten.

Die praktische Kompetenzfeststellung erfolgt in vier unterschiedlichen Gewerken (Kreativwerkstatt, Lagerlogistik/Spende, Fahrradwerkstatt und Gastronomie). Hier lassen sich neben sprachlichen und handwerklichen Fähigkeiten auch Schlüsselqualifikationen wie Teamfähigkeit, Pünktlichkeit, Auffassungsgabe usw. feststellen. Ziel der Kompetenzfeststellung ist es, mögliche berufliche Bereiche zu erkennen, welche die Basis für eine erfolgreiche Integration auf dem Arbeitsmarkt darstellen. Je nach Sprachstand der Gruppe und Thema werden die hauseigenen Wegbereiter*innen als Sprachmittler*innen hinzugezogen.

Die Kombination Theorie/Training/Information und Praxis ist für die Teilnehmer*innen am Modellprojekt einzigartig und wird von ihnen als sehr positiv bewertet. Das ZefF bietet somit einen umfassenden Lösungsansatz für einen erfolgreichen Integrationsprozess.

Lernen im Modell „Kompetenzzentrum für Flüchtlinge“ heißt:

  • Arbeitsalltag

    Für Teilnehmen*innen ist es oftmals neu, die klassischen Strukturen des Arbeitsalltages anzunehmen. Die Arbeitszeiten von 30 Stunden und mehr – vor allem mit festgelegten Anfangszeiten und einer stringenten Zeitplanung - sind nicht immer selbstverständlich. In der Praxiserprobung kommen zudem Erfahrungen über Arbeitsabläufe, Arbeitssicherheit und -planung hinzu. Und es wird immer wieder deutlich: In Deutschland sind viele Dinge anders als in den Herkunftsländern der Teilnehmer*innen. Außerdem kommt der „praktische“ Spracherwerb hinzu. Die Arbeitsanweisungen erfolgen auf Deutsch und es ist sofort sichtbar, wenn etwas nicht verstanden worden ist. Außerdem lernen die Teilnehmer*innen Fachbegriffe, aber auch Umgangssprache kennen.

  • Theorie/Training im Zusammenhang mit interkulturellem Lernen

    Nicht jede Hürde ist sprachbedingt und so zu überwinden. Oftmals spielen interkulturelle Unterschiede eine sehr wichtige Rolle, um Lernen zu ermöglichen. So ist für die Geflüchteten die erste Erfahrung im Unterricht, selbstbestimmt zu lernen und dadurch Wissen zu erwerben, oftmals ungewohnt. In den Heimatländern sind andere Lernsysteme üblich. Zum Beispiel traut sich ein Erwachsener nicht zu, Fragen zu stellen oder sich bemerkbar zu machen, wenn etwas nicht verstanden wurde.

  • Sprachförderung

    Sprachförderung

    Die Sprachförderung im und außerhalb des Kompetenzzentrums spielt eine große Rolle bei der Integration der geflüchteten Menschen. Im Kompetenzzentrum werden Teilnehmer*innen mit jeweils gleichem Sprachniveau in Gruppen gefördert. Außerdem finden Übungen statt, die sich auf den erfolgreichen Abschluss des Integrations- oder Sprachkurses außerhalb des Kompetenzzentrums richten. Dies erhöht die Chance den Abschluss B1 zu erreichen und im Anschluss daran eine Arbeitsstelle zu finden. Außerdem wird den Teilnehmer*innen eine Art „Sprachberatung“ angeboten. Hier wird gemeinsam mit den Integrationsbegleiter*innen überlegt, ob und welcher Sprachkurs für die Teilnehmer*innen gewinnbringend sein könnte. Das kann sehr unterschiedlich sein z.B. wird ein Wiederholerkurs oder ein weiterführender Kurs (B2) empfohlen oder es ist ein Sprachangebot mit Praxis oder eine Qualifizierung mit und ohne Spracherwerb oder aber es wird gänzlich von einem weiteren Sprachkurs abgeraten. Ziel ist hierbei immer, auf dem bestmöglichen Wege eine Heranführung an den deutschen Arbeitsmarkt zu ermöglichen.

  • Individuelle Beratung und Netzwerkarbeit

    Individuelle Beratung und Netzwerkarbeit

    Durch die individuelle Beratung und die Unterstützung der Integrationsbegleiter*innen lernen die Teilnehmer*innen, sich in den Systemen (Behörden, Schulen, Gesundheitssystem, Anerkennungsverfahren, Bewerbungen usw.) zurecht zu finden und ihre Angelegenheiten eigenverantwortlich in die Hand zu nehmen. Gemeinsam mit den Teilnehmer*innen wird eine Integrations-Zukunftsplanung (Arbeit und Gesellschaft) erarbeitet, erste Schritte der Umsetzung erfolgen. Zusätzlich dazu findet im Kompetenzzentrum für Flüchtlinge eine netzwerkbasierte Arbeit statt. Die Zusammenarbeit mit Netzwerkpartnern ist zum Beispiel dann der Fall, wenn es um Themen mit rechtlicher Relevanz (Familiennachzug/Aufenthalt) oder gesundheitlichen Problemen (Posttraumatische Belastungsstörungen) geht. Spezielle Beratungsstellen werden empfohlen und/oder Termine vereinbart.